| Aller Wahrscheinlichkeit
gehörte das imposante Wasserschloß einschließlich Rittergut bereits im 15. Jahrhundert
zum Besitz der Familie Schellenberg, die im Grimmaer Land ansässig war. Von den im Laufe
der Jahrhunderte ständig wechselnden Besitzer sei besonders Ullrich Maximilian von
Rechenberg erwähnt, der 1691 das Gut erwarb. Neben zahlreichen baulichen Veränderungen
ließ er in den Räumen südlich der Eingangshalle durch italienische Stuckmeister an den
anstelle der Kreuzgewölbe eingezogenen Flachdecken in drei großen Medaillons die Sage
der Io darstellen, die in Homers Ilias berichtet wird: Io, die Tochter des Flußgottes
Inachos, wird von dem Göttervater Zeus zu seiner Geliebten erkoren. Seine eifersüchtige
Gattin Hera verwandelt sie in eine Kuh und setzt den hundertäugigen Argos (heute wird
noch von Argusaugen gesprochen) zum Wächter an ihre Seite. Zeus schickt jedoch seinen
Götterboten Hermes aus, der den armen Argos umzubringen hat, worauf Hera ihre Rivalin
durch eine Bremse peinigen läßt. Die drei Medaillons zeigten 1.) Hera sitzt auf einer Wolke und betrachtet triumphierend die von Argos, der allerdings nur zwei Augen hat, beaufsichtigte Kuh Io. 2.) Zeus schickt seinen Hermes mit den bekannten Flügelchen an den Hand- und Fußgelenken aus. 3.) Hermes hat eben dem Wächter den Kopf abgeschlagen, den er in der Hand hält, während aus dem Hals von Argos ein wahrer Wasserfall von Blut sich ergießt. Die Darstellungen sind köstlich in ihrer Naivität. Die übrigen Deckenflächen waren mit Arabesken, dem Rechenbergischen Wappen und verschlungenen Monogrammen "MR" ausgefüllt. Leider sind diese einmaligen Stuckarbeiten Mitte des 20. Jahrhunderts unwiederbringlich vernichtet worden. Ein erwähnendwerter Fund ist eine verpichte Flasche mit einer schriftlichen Mitteilung vom 11. September 1827. Sie kam ans Tageslicht, als im Sommer 1885 eine Arbeit an der Spitze des Schloßturmes nötig war. Am 7. Juli 1885 wurde der Kopf wieder auf die Turmspitze gesetzt und hierbei wiederum der bereits erwähnte Bogen und die vorliegende Mitteilung vom heutigen Tage in einer wohlverschlossenen Flasche in demselben niedergelegt. Im Jahre 1991 wurde durch die Gemeinde Tanndorf mit Unterstützung und Förderung durch das Landratsamt Grimma und die Denkmalschutzbehörde mit der Sanierung und Rekonstruktion, der inzwischen recht baufällig gewordenen historischen Bauwerkes begonnen. Bis 1995 konnte die Sanierung des Daches, des Dachreiters sowie der Außenfassaden im wesentlichen abgeschlossen werden. Heute beherbergt das Schloß Podelwitz eine Heimatstube, in der historische Spielzeuge, Puppen, Haushaltsgeräte sowie Dokumente zur DDR- und Postgeschichte gezeigt werden. Des weiteren sind Colditzer Steingut, Schlösser und Beschläge zu sehen. Gezeigt werden auch Dokumente vom Gefangenenlager Colditz. Auch für kulturelle Veranstaltungen und für einen kleinen Kaffeeplausch stehen Räume zur Verfügung. |
| Öffnungszeiten: | |
| Sonn- und Feiertags 13.00 - 18.00 Uhr |
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| Anschrift: | |
| Heimatstube im Schloß
Podelwitz Am Schloß 1 Podelwitz Telefon: |
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