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SachsenTip
  Erinnerungen auf Schloß Dux (Tschechien)

Stand: 10. Januar 2001

Das wechselhafte Leben des Chevalier de Seingalt alias Giovanni Giacomo Casanova 
Geboren wurde er am 02.04.1725 in Venedig, bekannt durch seine Memoiren "Geschichte meines Lebens", und die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er als Bibliothekar des Grafen Waldstein auf Schloß Dux in Böhmen. Literarischen Ruhm erntete der Chevalier de Seingalt als Giovanni Giacomo Casanova, und seine Bücher werden bis zum heutigem Tag verlegt und begeistert gelesen.
Auch wenn sein abenteuerliches Leben in exemplarischer Weise den Verfall der europäischen Aristokratie des 18. Jahrhunderts mit ihrer unbedenklich-frivolen, oft gaunerhaften, zugleich aber elegant-raffinierten Lebensführung verkörpert, liebenswert ist der Spekulant, Unternehmer, Spion, Spieler und Hochstapler Casanova allemal.
Schließlich waren sein Markenzeichen wacher Verstand, Witz und eine überdurchschnittliche literarische Begabung.
Der Sohn einer italienischen Künstlerfamilie verbrachte seine Kindheit und Jugend in Venedig und ging im Sommer 1750 nach Paris. Hier konnte er sich weder dem Einfluß der Enzyklopädisten d`Alambert und Voltaire entziehen, noch verfehlten die galanten etwas zynischen Romane von Crébillon d.Jüng., von Voisenon und Fontenelle ihren Einfluß auf Casanova.
Im Jahre 1752 begab sich der Schriftsteller nach Dresden, wo er schon bald seinen "Zoroaster"herausgab und seine Komödie "Die Thessalierinnen" die Bühne eroberte. Doch bald hielt es ihn nicht mehr in Dresden. Über Prag und Wien kehrte er nach Venedig zurück. Und weil der Lebenswandel des Casanova einigen einflußreichen Leuten so gar nicht paßte,
wurde er in der Nacht zum 25. Juli 1755 von Agenten der venetianischen Inquisition festgenommen und in den Mansardenbleikammern des Dogenpalastes inhaftiert. Allerdings entzog er sich den befohlenen fünf Jahren Haft bereits nach 15 Monaten durch Flucht und landete wieder in Paris. Die Freiheit währte allerdings nicht lange. Casanova machte dunkle Geschäfte, Schulden folgten auf dem Fuße und wurde im Sommer 1759 erneut inhaftiert. Doch die Entlassung folgte auf dem Fuße und Casanova ging nach Holland. Im Jahre 1760 begann dann seine große Wanderfahrt, die bis 1774 dauerte. Er sah zahlreiche Länder, so auch Rußland.
Keine Geringere als Zarin Katharina II. gewährte ihm Audienz. Casanova wäre nicht Casanova gewesen, wenn er nicht jede Gelegenheit genutzt hätte, um Liebesromanzen anzuknüpfen. Er war und blieb ruhelos. Nur gelegentlich unterbrach er sein Privatleben, um sich der Schriftstellerei zu widmen.
Als er im Winter 1784 nach Wien zurückkehrte, erhielt er dort die Stelle eines Sekretärs bei dem Gesandten Venedigs Foscarini. Damit hatte er seinen letzten Erfolg auf dem Gebiet der Diplomatie. In Fascarinis Dienssten blieb er bis zu dessen Tode im April 1785. Zu jener Zeit lernte er auch Mozarts Librettisten de Ponte und Graf Josef Karl Waldstein-Wartenberg kennen.
Letztgenanntem gehörte außer dem Herrensitz Mala Skala das Familienfideikommissions-Besitztum Duchcov-Horni Litvinov samt einer reichthaltigen Familienbibliothek im Schloß zu Duchov. Graf Waldstein bot Casanova dort die Stelle eines Bibliothekars an.
Eigentlich war dieser in Wien ganz zufrieden gewesen. Als aber sein Dienstherr Foscarini starb und sich keine andere Möglichkeit zum Broterwerb bot, nahm Casanova schließlich das zweite Angebot von Josef Karl Waldstein an. Im Spätsommer des Jahres 1785 wurde er Bibliothekar der Waldsteinschen Schloßbibliothek in Duchcov. Und das war gut so. Hätte er sich nämlich dort nicht niedergelassen, so wäre die Welt um einen berühmten Schriftsteller ärmer. In Duchcov, mit einem geregelten Einkommen, einer bequemen Wohnung, Ruhe und einer guten Bibliothek fand Casanova endlich das, was er bisher lebenslang vermißt hatte: Zeit zur Besinnung und Zeit zum Schreiben.
1787 erschien dann auch schon die "Geschichte meiner Flucht", die in französischer Sprache in Prag herausgegeben wurde. Das Buch hatte einen riesigen Erfolg und machte Casanova berühmt. Weitere literarische Werke folgten, wenn auch mit zweifelhaftem Erfolg. So brachte der utopische Roman "Icesameron" den Autor an den Rand des finanziellen Ruins. Waldstein beglich ein Großteil der Schulden mit der Bedingung, daß ihm nach Casanovas Tod dessen Manuskripte zufallen sollten.
Froh, dem drohenden Bankrott entkommen zu sein, machte sich der Autor eifrig ans Werk, um die "Geschichte meines Lebens" zu schreiben. Eigentlich hatte Casanova nie vor, in Duchcov zu bleiben. Doch seine Stellensuche in Weimar und Berlin war erfolglos, so daß ihm als letzter Ausweg nur Duchcov blieb. Während er im Jahre 1797 noch fleißig gearbeitet hatte, verschlechterte sich sein Gesundheitszustand rapide, so daß er am 4. Juni 1798 starb. Begraben wurde er auf dem Friedhof der Heiligen Barbara. Als jedoch der "alte Friedhof" in einen Park umgestaltet wurde, konnte sein Grab nicht mehr gefunden werden.
Wer heute das etwa 3 Kilometer von Chomutov entfernt gelegene Schloß Dux besucht, findet hier eine Oase der Kultur. In den restaurierten Räumlichkeiten befindet sich eine Exposition historischer Möbel verschiedenster Stilepochen aus den Sammlungen des Prager Kunstgewerbemuseums, ergänzt durch zahlreiche Gemälde aus der einstigen Waldsteiner Bildergalerie. Ein Teil der Schloßräume ist jedoch der Erinnerung an Casanova vorbehalten, an einen Mann, der in Duchcov zu einer bedeutenden Persönlichkeit der Weltliteratur heranreifte.

Arbeitszimmer, Bibliothek und selbst das Schlafzimmer mit liebevoll zusammengetragenen Möbeln geben Auskunft über die fruchtbarsten Jahre des Giacomo Girodamo Casanova. Selbst der Sessel, in welchem der Literat starb, ist noch vorhanden. Kunst- und Literaturliebhaber sollten den Weg zu unseren Nachbarn nach Tschechien nicht scheuen, denn bei einer Führung, die mehrmals am Tag stattfindet, kommen sie allemal auf ihre Kosten.


Anschrift:
Státní zámek Duchcov
Námèstí republiky9
419 01 Duchcov

Telefon: (00420) 417 / 835 301
Telefax: (00420) 417 / 835 170

Denkmalamt: 
Památkový ústav v Ùstí nad Labem
Ing. Antonin Vejtasa

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